Lieber Herr Pfeifer,
besten Dank für Ihre Analyse. Nie zuvor wurde der 20. Juni 1976 so schonungslos der Verdrängung entrissen und in den Mittelpunkt der Wahrnehmung gerückt. So betrachtet sehe ich im nachhinein Manches klarer, den Fußball, die Welt und mich. Alles Scheitern wird mit einem Mal geklärt! Umso schöner dagegen, wenn einem ein Leben später drei schwarzgelbe Jahre hintereinander und ein magischer Abend mit einer Mischung aus Triumph und Wehmut beschert. Ganz große Oper. Motto des Abends: Egal was kommt, was war, war gut (Thommie Bayer).
Aber jetzt mal was anderes: „Adios, companeros!“ sprach der Mann aus Block B. Wer soll denn damit gemeint sein? Doch wohl nicht die Königlichen!! Also manchmal verstehe ich den Chef einfach nicht.
Joe:
Sakrament. Bestehen die Spanier nur aus Königlichen? Wenn Iniesta stibt, ist der Fußball tot.
# 1711 |
25.04.2013 09:36:14 |
Uwe Horst Pfeifer schrieb:
@1710
Lieber Herr Harthan,
Gruß und Gratulation in den Westen! Sauber!
Tatsächlich wird - sowohl von ärztlicher wie psychologischer wie historischer Fachseite - in der Regel vollkommen übersehen, dass der Schuss in den Nachthimmel Belgrads 1976 das biographische Trauma einer ganzen Generation darstellt... mit bisher noch völlig unerforschten Konsequenzen für das folgende politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Geschick unseres Landes.
Wir erinnern uns. 1974 wurden wir Buben, auf deren Schultern die Zukunftshoffnung der Nation bereits ruhte, Fußballweltmeister. Ästhetik, Finesse, Spiel-Philosophie waren altersgemäß nicht von Interesse. Der Titel war das soll, und das Soll wurde zum Haben. Die Zukunft schien sicher und jeglicher Gestaltung offen, das Leben planbar und übersichtlich bis in kühnste visionäre Weiten.
Dann 1976. Endspiel war - für uns Weltmeister - selbstverständlich, das Elfmeterschießen ungeplant, aber durchaus nicht unwillkommen. Behagliches Gruseln bei gewissem Ausgang. Dann nicht nur der fassungslose, den Boden des Existierens wankend machende Schuss von Ulrich Hoeneß, geboren 1952 in Ulm (sic!) aus dem Stadion. Und nicht nur das: den finalen K.O. erhielten wir durch einen an Perfidie nicht mehr zu überbietenden Schlenzer in die Mitte des Tors.. der triumphal Hohn des Siegers. Das Leben war danach nicht mehr dasselbe. Dass mit einer Generation, der auf diese grausame Weise die Selbstgewissheit des Seins abhanden gekommen ist, nichts mehr anzufangen war, versteht sich von selbst. Es sind immer die frühen Dinge, die bleiben.
- Der Ihre -
# 1710 |
23.04.2013 09:22:54 |
Wilfried Harthan schrieb:
@ Die StN-Bundesligakolumne: MÜNCHEN ODER CHICAGO
Anmerkung zu einer wunderbaren Kolumne, in der es heißt: „Unser Mann hat sich bisher nichts zuschulden kommen lassen. Gut, es gab den 20. Juni 1976. ...“ Da gab es aber auch den 29. Oktober 1988. Die Kickers hatten ihr Erstliga-Auswärtsspiel bei Bayern München mit 0:3 verloren, alles okay soweit. Weil UH aber angesichts des Aufsteigers von der Waldau ein leeres Olympiastadion befürchtete, verkündete er – sportlich und fair wie er ist – in den Tagen vorher, dass die Bayern das Spiel mit mindestens drei Toren Unterschied gewinnen, ansonsten gäbe es das Eintrittsgeld zurück. Das Ergebnis stimmte, und UH konnte überhaupt nicht verstehen, warum ADM leicht angefressen vermutete, dass er (UH) wohl zu viel Kopfbälle gemacht habe. Daß er dabei die beiden Brüder verwechselt hatte, war nicht so tragisch, denn es kam der 13. Mai 1989. Im Rückspiel schlugen die Kickers den FCB mit 2:0, das Neckarstadion sang „Hoeneß, Hoeneß, hahaha“ und der saß mit hochrotem Kopf auf der Bank. Und dann kam der 5. Oktober 1991. Der FCB unterlag dahoam im Olympiastadion den Blauen Göttern mit 1:4, UH entließ einen Tag später den Trainer, seinen Freund Jupp Heynkes. Dies sei, so sagte er vor einiger Zeit, die einzige Fehlentscheidung seines Lebens gewesen. Sein Schweizer Konto war demnach eine richtige Entscheidung. München oder Chicago – diese Frage ist geklärt. Al Capone war ein ehrenwerter Mann.
# 1709 |
22.04.2013 15:34:46 |
Bruno Bienzle schrieb:
Zur Depesche Nr. 1093: Einer der größten Schleimer hat am Sonntagabend in der Jauch-Runde seine Spuren hinterlassen, eine ekliger und klebriger als die andere: Lächel-Dieter Kürten. Der Mann, der sich in seiner Zeit als Sportstudio-Moderator lieber in die Zunge gebissen als dass er eine kritische Frage gestellt hätte.
# 1708 |
19.04.2013 15:20:31 |
Goggo Gensch schrieb:
#Depesche 1091. Was sich die SSB-Kontrolleure geleistet haben ist so bodenlos unverschämt und geschichtsvergessen, dass es jeden Stuttgarter beschämen muss. „Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch“, hat Brecht in seinem „Arturo Ui“ geschrieben. Wenigstens erinnern jetzt Stolpersteine an die Familie Uhlman. An den Maler und Schriftsteller Fred Uhlman erinnert meines Wissens nichts in Stuttgart. Keine Straße, kein Platz. Aber so etwas wundert einen in Stuttgart ja auch nicht. An den Film „Der wiedergefundene Freund“ erinnere ich mich noch gut. Während der Vorbereitung durfte ich für das Team als Location Scout arbeiten. Konkret habe ich Szenenbildner und Regieassistenten durch Stuttgart geführt und ihnen mögliche Drehorte gezeigt.
Dr. Weibels psychiatrische Diagnose in Bild und Ton:
http://youtu.be/zU0nrr1soBo
... und hier nochmals der frühere, gleich lautende Befund eines gewissen Dr. Stadelmaier:
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/stut tgart-21-krieg-den-grasdackeln-1892835.html
Oben bleiben!
# 1706 |
17.04.2013 10:51:21 |
Dieter Münch schrieb:
17.April - Es ist der Geist!
Er fällt nicht nur mit Bedacht und Verzögerung Todesurteile oder durchwatet Baugruben tief unter der Stadt - dieser Stadt. Er wird vom Mantel der Geschichte umweht oder lauert einfach nur in der Flasche. Ob ein Hauch davon auch in Brüssel Duftspuren hinterlässt, darf hoffentlich bezweifelt werden. Er ist einfach nicht auszuräuchern, wie der Schweizer Experte resiginierend erkannt hat. Also warten wir halt bis ein Widergänger sich präsentiert - ein nuer Magalomaniac.
# 1705 |
16.04.2013 11:40:49 |
Bernhard Ubbenhorst schrieb:
@Depesche 1089
Werner Herzog antwortete im Interview des Zeit-Magazins letzte Woche auf die Frage nach seiner Kindheit:
"Ich hatte mit 14 eine sehr intensive Phase, in der sich Perspektiven und Konstanten für mein Leben angelegt haben, die mich bis heute prägen. Erstens: zu Fuß unterwegs sein. Zweitens: Kino."
Die Reihenfolge spricht für sich ... und fürs Spazierengehen. Von nix kommt nix!
Depesche vom 12. 4.2013-04-13
Ich hatte zu damaliger Zeit das Thema Hitler Tagebücher mit Interesse verfolgt, schon alleine deswegen, wie man so raffiniert sein kann und eine hochrangige Zeitung an der Nase herumführt.
Diese Depesche ist wirklich sehr gut verfasst und ich habe sie mir mit den ganzen Zusätzen kopiert und in meinen Verteiler kopiert um sie auch anderen bekannt zu machen.
# 1703 |
13.04.2013 07:43:57 |
Mandy schrieb:
@ Depesche vom 12. 4.
Die "Hitler-Tagebücher" haben für mich einen aktuellen Bezug, wenn ich das Mediengeschrei und die Münchner Gerichtspeinlichkeiten um den NSU-Prozess betrachte. Es stimmt, was Joe schreibt: Das "Dritte Reich" wurde bei uns nicht aufgearbeitet, sondern kommerziell ausgeschlachtet. So erklärt sich, dass ein Kujau überhaupt möglich wurde. Mir scheint, in Stuttgart ist der Fall sogar schon ziemlich vergessen - auch typisch.